Berufsbegleitende Weiterbildung
Weiterbildung Psychodynamische Paartherapie 2027–2030
Das Paar als eigenständiger psychischer Ort: eine gemeinsam hervorgebrachte, unbewusst regulierte Beziehungswirklichkeit.
Die Weiterbildung richtet sich an Fachleute, die Paare in ihrer therapeutischen oder beraterischen Arbeit besser verstehen und begleiten möchten. Über drei Jahre verbinden wir psychodynamische Theorie mit Behandlungstechnik, Selbsterfahrung, Supervision und eigener Fallarbeit.
- 3 Jahre
- 6 Präsenzblöcke + Abschlussworkshop
- Präsenz & Online
- Kleine Gruppe
Beginn: 14.–17. April 2027 Stadthalle Oberursel (Taunus)
Unterlagen anfordernLeitfrage
Was ist in der Paartherapie eigentlich der Patient?
Die beiden Einzelnen – oder die Beziehung, die sie miteinander hervorbringen?
Was psychodynamische Paartherapie bedeutet
Nicht nur zwei Einzelne
Zwischen Partner:innen entsteht eine gemeinsam hervorgebrachte, unbewusst regulierte Beziehungswirklichkeit.
Der therapeutische Fokus
Diese gemeinsame Wirklichkeit wird verstanden, reflektiert und im therapeutischen Prozess für Veränderung zugänglich.
Worum es geht
Das Paar verstehen
Im Zentrum steht das Paar nicht als Summe zweier Einzelner, sondern als eigenständiger psychischer Ort. Die Weiterbildung vermittelt ein psychodynamisches Verständnis leidens- und konflikterhaltender Beziehungsmuster.
- Unbewusste BeziehungsdynamikWas das Paar miteinander herstellt, ohne es zu wissen.
- Szenisches VerstehenDer Konflikt zeigt sich im Raum, bevor er erzählt wird.
- Übertragung & GegenübertragungZentrale Zugänge zum therapeutischen Geschehen.
- Projektive IdentifizierungWie Anteile beim jeweils anderen untergebracht werden.
- Kollusionen & AbwehrGemeinsam getragene Lösungen, die das Leiden erhalten.
- Transgenerationale AufträgeUnbewusste Erwartungen aus den Herkunftsfamilien.
Profil
Was diese Weiterbildung auszeichnet
-
Spezialisierung statt Breite
Konsequenter Fokus auf psychodynamische Paartherapie – über drei Jahre, ohne Umweg.
-
Internationale Fachliteratur mit Praxisbezug
Aktuelle Entwicklungen der objektbeziehungstheoretischen Paartherapie und der Tavistock-Tradition werden durchgehend mit klinischer Praxis verbunden. David und Jill Scharff gehören seit der Gründung des IFP im Jahr 2000 dem wissenschaftlichen Beirat an. 2021 hat das IFP ein internationales Symposium zur psychoanalytischen Paartherapie ausgerichtet, mit Beiträgen von Jill und David Scharff, Christopher Clulow, Kurt Günther sowie Slavoj Titl und Lucie Lucká.
-
Supervision überwiegend in der Weiterbildung
60 UE Supervision sind enthalten. Hinzu kommen mindestens 20 UE externe Supervision bei zwei unterschiedlichen, vom IFP zugelassenen Supervisor:innen.
-
Persönliche Entwicklung
Theorie, Selbsterfahrung und Gegenübertragungsreflexion bilden eine Einheit, keine getrennten Bausteine.
Eine paartherapeutische Haltung entwickeln
Im Zentrum der Weiterbildung steht die Entwicklung einer Haltung, die beide Partner und ihre Beziehung zugleich im Blick behält. Einen wichtigen Bezugspunkt bildet Mary Morgans Konzept des „couple state of mind“: sich vom Beziehungsgeschehen berühren zu lassen und zugleich einen inneren Raum zu bewahren, in dem darüber nachgedacht werden kann.
Das bedeutet, auch unter dem Druck von Streit, Rückzug oder gegenseitigen Vorwürfen neugierig zu bleiben, vorschnelle Parteinahmen zu erkennen und die eigenen emotionalen Reaktionen für das Verstehen zu nutzen. So können die unbewussten Muster zugänglich werden, die ein Paar miteinander hervorbringt und in denen es sich verfängt.
Diese Haltung entwickelt sich im Zusammenspiel von Theorie, Selbsterfahrung, eigener Fallarbeit und kontinuierlicher Supervision. Die drei Jahre geben Raum, sie zu erproben, zu reflektieren und zunehmend auch in schwierigen Situationen aufrechtzuerhalten.
Tradition
Wir arbeiten auf der Grundlage der psychoanalytischen Objektbeziehungstheorie. Henry Dicks begründete ihre Anwendung auf die Paardynamik an der Tavistock Clinic; Jürg Willi führte diese Linie im deutschsprachigen Raum mit dem Kollusionskonzept weiter. Die Weiterbildung verbindet unterschiedliche Akzente der psychoanalytischen Paartherapie: David und Jill Scharff stehen für einen objektbeziehungstheoretischen Ansatz, insbesondere im Anschluss an Melanie Klein und Ronald Fairbairn. Mary Morgan entwickelt die Tavistock-Tradition weiter und beschreibt mit dem „couple state of mind“ eine spezifisch paartherapeutische Haltung. Beide Perspektiven tragen dazu bei, die inneren Welten der Partner:innen und das gemeinsam hervorgebrachte Beziehungsgeschehen zu verstehen.
David und Jill Scharff vom International Psychotherapy Institute in Washington gehören dem wissenschaftlichen Beirat des IFP an und begleiten das Institut seit seiner Gründung.
Konzeption und curriculare Entwicklung der Weiterbildung:
Dr. Bernd Böttger, Frankfurt am Main, Mitbegründer des Instituts für Paartherapie (IFP) e. V.
Leitung Weiterbildungsausschuss: Dr. Sabine Schwachula, Bonn
Aufbau & Abschluss
Drei Jahre berufsbegleitend
Die Theorie wird kontinuierlich mit Behandlungstechnik, Selbsterfahrung und Fallsupervision verbunden. Ziel ist eine sichere psychodynamische Haltung in der Arbeit mit Paaren.
Die sechs Präsenzblöcke
- Block I14.–17. April 2027
- Block II29. September – 2. Oktober 2027
- Block III26.–29. April 2028
- Block IV27.–30. September 2028
- Block V11.–14. April 2029
- Block VI26.–29. September 2029
- Abschlusszweitägig, 2030 – Termin folgt
Die sechs viertägigen Präsenzblöcke finden jeweils im Frühjahr und Herbst 2027 bis 2029 statt, von Mittwoch bis Samstag. Der Mittwoch beginnt um 9:30 Uhr, der Samstag endet um 16:45 Uhr; Donnerstag und Freitag sind volle Tage.
Online-Veranstaltungen
Sechs verpflichtende Online-Seminare des IFP finden samstagvormittags von 9:00 bis 12:30 Uhr statt, mit jeweils 180 Minuten Unterrichtszeit (4 UE).
Hinzu kommen drei verpflichtende Online-Workshops des BvPPF mit jeweils 180 Minuten (4 UE), einer pro Weiterbildungsjahr. Sie finden samstags statt; die Termine gibt der BvPPF bekannt.
Abschlussworkshop 2030
Die Weiterbildung schließt mit einem zweitägigen Abschlussworkshop ab. Er umfasst die Vorstellungen der Abschlussarbeiten, zwei Gruppensupervisionen und eine gemeinsame Abschlussreflexion.
Der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Abschlussworkshop und Abschlussverfahren sind in den Weiterbildungsgebühren enthalten.
Umfang: 271 UE
Eine Unterrichtseinheit (UE) entspricht 45 Minuten. Der Gesamtumfang von 271 UE umfasst:
- 137UETheorie & Behandlungstechnik
- 74UEPaar- und beziehungsbezogene Selbsterfahrung
- 60UEWeiterbildungsinterne Supervision
Die neun Online-Veranstaltungen sowie die anrechenbaren Einheiten des Abschlussworkshops sind darin enthalten. Hinzu kommen mindestens 120 UE eigene paartherapeutische Fallarbeit und mindestens 20 UE externe Supervision.
Fallarbeit
Die eigenen Paartherapien führen Sie in Ihrem beruflichen Rahmen durch – in eigener Praxis, Beratungsstelle oder Institution. Das IFP vermittelt keine Paare und unterhält keine Ambulanz; die Weiterbildung begleitet Ihre Arbeit durch Supervision. Nachzuweisen sind mindestens 120 UE Fallarbeit, entsprechend mindestens 60 Sitzungen à 90 Minuten, verteilt auf mindestens vier Paarbehandlungen.
Sie müssen nicht vom ersten Block an behandeln. Die Supervision ist in den frühen Blöcken bewusst geringer angesetzt, weil zu Beginn erfahrungsgemäß noch wenige eigene Paare vorliegen; ein späterer Einstieg ist eingeplant.
Paartherapie ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und wird von den Paaren selbst getragen. Für Praxen mit Kassenzulassung ist sie damit ein eigenständiger Bereich neben der Richtlinienpsychotherapie, mit frei vereinbarbaren Honoraren.
Für die supervidierten eigenen Paarbehandlungen ist ausreichender Berufshaftpflichtschutz erforderlich. Bitte prüfen Sie, ob Ihre bestehende Versicherung diese Tätigkeit abdeckt, oder schließen Sie eine entsprechende Versicherung ab.
Externe Supervision
Die mindestens 20 UE externe Supervision absolvieren Sie nacheinander bei zwei unterschiedlichen, vom IFP zugelassenen Supervisor:innen, ungefähr hälftig auf beide verteilt.
Für Teilnehmende außerhalb des Rhein-Main-Gebiets ist die externe Supervision vorrangig online bei Supervisor:innen des IFP vorgesehen.
Sie vereinbaren und vergüten diese Supervision selbst. Die Einzelheiten regelt die Supervisionsordnung.
Abschluss und Zertifikate
Zum Abschluss gehören eine schriftlich dokumentierte Paartherapie und deren Vorstellung im kasuistischen Seminar. Hinzu kommen die im Verlauf der Weiterbildung vorgesehenen Leistungsnachweise. Die Einzelheiten regelt die Abschlussordnung.
Qualifiziertes Zertifikat
„Psychoanalytische Paartherapie“
Bei erfolgreichem Abschluss und vollständigem Vorliegen der vorgesehenen Nachweise stellt das IFP das qualifizierte Zertifikat aus. Es erfüllt die fachlichen Voraussetzungen für die Aufnahme als ordentliches Mitglied im BvPPF. Über die Aufnahme entscheidet der BvPPF.
Teilnahmezertifikat
„Psychodynamische Paartherapie“
Wer den Abschluss einer psychotherapeutischen Weiterbildung und/oder die erforderliche externe Selbsterfahrung nicht nachweisen kann, kann nach Entscheidung des Weiterbildungsausschusses ebenfalls zum Abschluss zugelassen werden.
Bei erfolgreichem Abschluss wird das IFP-Teilnahmezertifikat „Psychodynamische Paartherapie“ ausgestellt. Auch dieses bescheinigt das erfolgreich absolvierte Abschlussverfahren; es berechtigt nicht zur Vollmitgliedschaft im BvPPF.
Die Weiterbildung entspricht den Rahmenrichtlinien des BvPPF und orientiert sich an den fachlichen Standards der EFPP.
Fortbildungspunkte werden bei der Psychotherapeutenkammer Hessen beantragt. Im vorigen Durchgang wurden je Präsenz-Workshop 30 Punkte anerkannt, insgesamt 180. Hinzu kommen gegebenenfalls Punkte für die externe Supervision.
Themenfelder
Woran wir arbeiten
- Kollusionen
- Objektbeziehung
- Bindung
- Mentalisierung
- Projektive Systeme
- Couple State of Mind
- Linktheorie
- Interpersonelles Unbewusstes
- Übertragung & Gegenübertragung
- Deutungstechnik
- Therapeutischer Prozess
- Sexualität & Intimität
- Familientherapie im Paarkontext
- Zwiegespräche
- Forschung & Wirksamkeit
Kompetenzprofil
Was Sie danach können
- die Beziehung selbst als Patientin denken – den couple state of mind entwickeln und halten
- eine psychodynamische Beziehungsdiagnostik entwickeln und den Prozess konzeptualisieren
- szenisch dargestellte Konflikte, Beziehungsmuster und Abwehrstrukturen erkennen und bearbeiten
- mit Übertragung, Gegenübertragung und projektiver Identifizierung im Paarsetting arbeiten
- Kollusionen und transgenerationale Dynamiken deuten und für Veränderung nutzbar machen
- die eigene Gegenübertragung reflektieren und therapeutisch nutzen
- die eigene therapeutische Persönlichkeit weiterentwickeln
Zielgruppe & Zugang
Für wen?
Die Weiterbildung richtet sich an ärztliche und psychologische Psychotherapeut:innen, analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen sowie an Fachkräfte aus Paarberatung, Sozialpädagogik, Seelsorge und Supervision, die professionell mit Paaren arbeiten.
Voraussetzungen
- abgeschlossene oder fortgeschrittene psychotherapeutische, beraterische oder vergleichbare berufliche Qualifikation
- ein beruflicher Rahmen, in dem Sie während der Weiterbildung mit Paaren arbeiten können
- psychoanalytisch-psychodynamische Grundkenntnisse
- Zulassung nach einem Aufnahmegespräch
Selbsterfahrung außerhalb der Weiterbildung
Für das Zertifikat „Psychoanalytische Paartherapie“ sind 150 UE Einzelselbsterfahrung oder 75 Doppelstunden Gruppenselbsterfahrung in einem psychoanalytisch begründeten Verfahren nachzuweisen. Der Nachweis muss erst bei der Anmeldung zum Abschluss vorliegen – die Selbsterfahrung kann also während der drei Jahre erworben werden, auch bei Dozent:innen des IFP.
Das Zertifikat „Psychoanalytische Paartherapie“ setzt diese Selbsterfahrung voraus. Ohne sie führt die Weiterbildung zum Teilnahmezertifikat „Psychodynamische Paartherapie“ – mit demselben Abschlussverfahren und demselben Umfang, aber ohne BvPPF-Vollmitgliedschaft.
Gebühren
Derzeit
225 € monatlichÜber 36 Monate, von April 2027 bis einschließlich März 2030.
Enthalten sind die Veranstaltungen des IFP, die weiterbildungsinterne Selbsterfahrung und 60 UE Supervision sowie der Abschlussworkshop und das Abschlussverfahren.
Die mindestens 20 UE externe Supervision werden separat mit den jeweiligen Supervisor:innen vereinbart und vergütet.
Aufnahme
Bewerbung und Aufnahmegespräch über das IFP. Das Gespräch kann in Frankfurt, Königstein oder Bonn stattfinden, auf Wunsch auch online.
Veranstaltungsort
Stadthalle Oberursel
Die Präsenzblöcke finden in der Stadthalle Oberursel statt. Sie liegt unmittelbar am Rathausplatz und damit mitten in der Stadt: Altstadt, Cafés und Restaurants, Bahnhof und Parkhaus sind zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar. Ab Frankfurt Hauptbahnhof fährt die S5 in etwa 20 Minuten bis Oberursel Bahnhof. Das Haus ist barrierefrei.
Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL
Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln
S-Bahn S5 Richtung Bad Homburg/Friedrichsdorf bis Bahnhof Oberursel, ab Frankfurt Hauptbahnhof nach aktuellem Fahrplan etwa 20 Minuten. In Frankfurt fährt die S5 vom Tiefbahnhof ab, nicht von den Fernbahnsteigen.
In den Hauptverkehrszeiten fährt zusätzlich die Taunusbahn nach Oberursel – ebenfalls rund 20 Minuten, allerdings ab den Fernbahnsteigen.
Anfahrt mit dem Auto
A5 / A661, Abfahrt Oberursel-Mitte, dann dem Parkleitsystem folgen. Das Parkhaus Stadthalle liegt unmittelbar unter dem Gebäude am Rathausplatz.
Ort & Beginn
Weiterbildung 2027–2030
1. Präsenzblock: 14.–17. April 2027 Stadthalle Oberursel (Taunus)
Schreiben Sie uns für weitere Informationen, die Bewerbungsunterlagen oder einen Termin zum Aufnahmegespräch. Die Gruppe ist bewusst klein gehalten.
Unterlagen
Verbindliche Regelungen
Die Supervisionsordnung und die Abschlussordnung regeln die Anforderungen an Supervision und Abschluss. Sie sind verbindliche Grundlagen der Weiterbildung.
- Supervisionsordnung (PDF)Fassung vom 8. September 2026
- Abschlussordnung (PDF)Fassung vom 8. September 2026
Kontakt
Schreiben Sie uns
Am hilfreichsten ist es, wenn Sie kurz schildern, wo Sie fachlich stehen und was Sie wissen möchten. Wir antworten persönlich – mit den Unterlagen, mit einer Antwort auf Ihre Frage oder mit einem Terminvorschlag für ein Gespräch. Unverbindlich.